Das Leben ist lebensgefährlich

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Freiheit hat ihren Preis. Auch beim Waffenbesitz.

Die registrierten Waffenbesitzer bleiben der Gesellschaft nichts schuldig, selbst wenn man sie für Morde mit legalen Schusswaffen in Sippenhaft nimmt. Sogar wenn alle aus Geiz nur mit Luftdruckwaffen trainieren würden.

Hat ein Menschenleben einen Geldwert? Das konkrete Menschenleben natürlich nicht. Wenn in einem Bergwerk verschüttete Bergleute gerettet werden sollen, darf dies nicht am Geld scheitern. Anders sieht es aus, wenn Sicherheitseinrichtungen im Bergwerk installiert werden sollen. Man könnte dafür beliebig viel Geld ausgeben, ohne alle Todesfälle zu verhindern. Auch wenn Fußgängerampeln statistisch Menschenleben retten, stellen wir nicht sämtliche Kreuzungen damit zu. Jeder muss für sich abwägen, ob er aus Angst davor, in einem Kleinwagen zu sterben, lieber mehr für eine sicherere Limosine ausgibt.

Hannes Spengler von der TU Darmstadt gibt den Wert eines statistischen Lebens mit 1,65 Millionen Euro an. Man kann also abschätzen, wieviel Aufwand für die Verhinderung von Morden durch legale Schusswaffen gerechtfertigt ist. Es gibt durch sie fünf Mordopfer pro Jahr [Update 2016: Waffengegner kommen jetzt auf neun pro Jahr]. In der überwiegenden Zahl der Fälle würde der Mörder seine Tat auch ohne Schusswaffe vollenden (siehe Waffenbesitz und Waffenmissbrauch in Deutschland in Kriminalistik 12/2006). Nehmen wir großzügig an, dass 40% verhindert werden könnten, also zwei Morde pro Jahr. Für jeden der drei Millionen Waffenbesitzer macht das einen Betrag in Höhe von 1,10 Euro (= 1.65 Mio. Euro * 2 / 3 Mio.) pro Jahr. Es ergibt keinen Sinn, mehr für Routinekontrollen oder Waffensicherungssysteme (als Jahresmiete) auszugeben. Mit demselben Aufwand könnten in anderen Bereichen (z. B. Krankenhauskeime) sicher mehr statistische Leben gerettet werden.

Kommentare

Achtung, Rechenfehler: Bei einem Endpreis von 6,00 Euro inkl. 19 % Mwst. beträgt der Nettopreis 5,04 € und die Steuer 96 Cent. ;-)

Ansonsten sehr guter Beitrag!

Hoppla! Dabei sieht doch im Tortendiagramm meine 119%-Torte so überzeugend nach 100% aus.
Ich nehme im Bild nun teurere Diabolos für 7€ statt 6€. Billige Diabolos kosten zwar nur so um die 3,50€, aber der Anteil der verhinderbaren Morde mit Legalwaffen beträgt vielleicht auch nicht 40% sondern nur 20%, was das wieder kompensieren würde.

''Hat ein Menschenleben einen Geldwert?''
Ja, einen Materialwert von ungefähr 10€. Kann schwanken, vor allem wegen den Preisschwankungen bei Seltenen Erden. Abgesehen davon kann ein Mensch medizinisch gesehen mehr wert sein, wenn er nach dem Tod seine Organe spendet (dann sind wir schon bei tausenden von Dollarn, vorausgesetzt, sie sind noch zu gebrauchen). Das Lächeln von Julia Robertson dagegen ist für 21.900.000$ versichert. Was ich damit zeigen will, ist dass eine sinnvolle Schätzung extrem davon abhängt, was man betrachtet, selbst wenn man ganz rational an das Thema herangeht. Abgesehen verstößt so eine Einteilung natürlich extrem gegen die meisten unserer Moralvorstellungen in der heutigen Zeit, wenn Julia Robertsons Lächeln und die Beine und Arme ihrer Kollegen mehr wert sind als alle Afrikaner zusammen...

''Es gibt durch sie fünf Mordopfer pro Jahr. In der überwiegenden Zahl der Fälle würde der Mörder seine Tat auch ohne Schusswaffe vollenden (siehe Waffenbesitz und Waffenmissbrauch in Deutschland in Kriminalistik 12/2006). Nehmen wir großzügig an, dass 40% verhindert werden könnten, also zwei Morde pro Jahr.'' Verhindert weil ??? Klingt nicht logisch. Abgesehen davon befindet sich das im Rahmen statistischer Schwankungen; die Frage ist, was würde passieren wenn die Regeln nicht so wären? Aber weil ich keine Ahnung hab, lasse ich das Schätzen lieber bleiben.

''Für jeden der drei Millionen Waffenbesitzer macht das einen Betrag in Höhe von 1,10 Euro (= 1.65 Mio. Euro * 2 / 3 Mio.) pro Jahr. Es ergibt keinen Sinn, mehr für Routinekontrollen oder Waffensicherungssysteme (als Jahresmiete) auszugeben. Mit demselben Aufwand könnten in anderen Bereichen (z. B. Krankenhauskeime) sicher mehr statistische Leben gerettet werden.''
Sie meinen zusätzlich; aber das berührt meiner Meinung nicht den Kernpunkt der Frage- wie es bei anderen Regulierungen und weniger Ausgaben wäre- unverändert, schlechter oder besser. Die letzten 5 Morde sind insgeamt irrelevant. Es bleibt zu bedenken, dass jedes Jahr in Deutschland ca. 200 Menschen an Kugelschreiberteilen ersticken. Wie viel Geld man doch sparen könnte, wenn....
Ach, lassen wir das lieber bleiben.
Vielleicht könnten damt Leben gerettet werden, aber das Geld, was da zu holen ist, sind doch eh Peanuts, wenn man bspw. vergleicht, wie viel Geld man be BER, Elbphilharmonie oder bei der Rettung unfähiger Banken verbrät (Hypo Alpe Adria, Ole Ole).

P.S. Ich weiß inzwischen schon ganz gut ''Welches Zeichen [...] in jeder E-Mail-Adresse vor[kommt]'' ;-)

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