Schusswaffen – ein Stück Zivilisation

Übersetzung von Why the Gun is Civilization, Marko Kloos (und niemand anders), 2007
Menschen können nur auf zwei Arten miteinander umgehen: mittels Vernunft oder mittels Gewalt. Wenn Sie wollen, dass ich etwas für Sie tue, entscheiden Sie sich entweder für den Einsatz von Argumenten oder für die Drohung mit Gewalt. Jeder zwischenmenschliche Umgang fällt ausnahmlos in eine dieser beiden Kategorien. Vernunft oder Gewalt, nichts anderes.

In einer gesitteten und zivilisierten Gesellschaft setzen die Menschen ausschließlich auf Argumente. Gewalt kann als Umgangsform keinen Platz beanspruchen, und das Einzige, das die Gewaltoption aus dem Spiel nimmt, ist die Handfeuerwaffe, so widersinnig das in manchen Ohren klingen mag.

Wenn ich eine Waffe führe, können Sie nicht willkürlich mit mir umspringen. Sie müssen auf Vernunft setzen und versuchen, mich zu überzeugen, weil ich mich Drohungen und Angriffen widersetzen kann. Bei Schusswaffen handelt es sich um die einzigen Handwaffen, die eine zierliche Dame auf Augenhöhe mit einem durchtrainierten Straßenräuber bringen, ebenso wie einen alten Rentner mit einem jugendlichen Bandenmitglied, oder einen unbegleiteten Schwulen mit einem Rudel betrunkener baseballschwingender Skinheads. Die Schusswaffe gleicht Unterschiede in körperlicher Kraft, Größe und Anzahl zwischen potentiellen Angreifern und Verteidigern aus.

Viele sehen Schusswaffen als Quelle des Unheils im Kräftespiel. Dabei handelt es sich um diejenigen, die glauben, es würde gesitteter zugehen, wenn alle Schusswaffen aus der Gesellschaft entfernt würden, weil eine Schusswaffe dem Straßenräuber sein Handwerk erleichtert. Das stimmt natürlich nur, wenn seine potentiellen Opfer überwiegend unbewaffnet sind entweder aufgrund eigener Entscheidung oder durch gesetzliche Anordnung, andernfalls nicht. Selbst wenn er bewaffnet ist, kann ein Straßenräuber seinen Lebensunterhalt nur in einer Gesellschaft erfolgreich bestreiten, in welcher der Staat ihm ein Gewaltmonopol verschafft.

Dann gibt es noch den Einwand, dass Schusswaffen Auseinandersetzungen tötlich enden lassen, die sonst nur zu Verletzungen geführt hätten. Dies ist in mehrerlei Hinsicht ein Irrtum. Wären keine Schusswaffen beteiligt, würden Auseinandersetzungen von der körperlich überlegenen Partei gewonnen und der Verlierer mit Verletzungen übersät. Menschen, die glauben, dass Fäuste, Knüppel, Stöcke und Steine keine tötliche Wirkung haben, schauen zu viel fern, wo im Drehbuch nach einer Prügelei allenfalls eine blutige Lippe vorgesehen ist. Die Tatsache, dass Schusswaffen den Einsatz tötlicher Gewalt erleichtern, kommt ausschließlich dem schwachen Verteidiger zu gute – nicht dem starken Angreifer. Sind beide bewaffnet ist das Kräfteverhältnis ausgeglichen. Schusswaffen sind die einzigen Waffen, die in der Hand eines Greises ebenso tötlich sind wie in der Hand eines Gewichthebers. Dass Schusswaffen sowohl tötlich als auch leicht einsetzbar sind, kommt dem Ausgleich des Kräfteverhältnisses zu gute.

Wenn ich eine Schusswaffe führe, tue ich das nicht, weil ich auf Streit aus bin, sondern darauf in Ruhe gelassen zu werden. Die Schusswaffe an meiner Seite bedeutet, dass ich nicht gezwungen sondern nur überzeugt werden kann. Ich führe sie nicht, weil ich Angst habe, sondern weil sie mir gestattet, unerschrocken zu reagieren. Sie schränkt nicht die Handlungen derer ein, die mit mir vernünftig Umgang pflegen wollen, sondern nur die Handlungen jener, die mit mir willkürlich umspringen wollen. Sie nimmt die Gewalt aus dem Spiel. Aus diesem Grund zeugt das Führen von Schusswaffen von einer zivilisierten Gesinnung.

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Kommentare

''Menschen können nur auf zwei Arten miteinander umgehen: mittels Vernunft oder mittels Gewalt.'' Oder durch Schweigen. Das muss nicht vernünftig sein, fällt aber meistens auch nicht unter Gewalt.
''Wenn ich eine Waffe führe, können Sie nicht willkürlich mit mir umspringen.'' Stimmt bedingt. Also tätliche Angriffe sind bei gezückter Waffe eher unwahrscheinlich, aber verbal könnte ich mir im Zweifelsfalle dennoch ziemlich viel erlauben. Natürlich könnten Sie schießen, aber wenn Sie mich umbrächten, weil ich Sie beispielsweise beleidigt oder diffamiert habe, müssten Sie sich was einfallen lassen, um nicht ziemlich lange hinter schwedischen Gardinen zu landen. Und da mir das bewusst ist, könnte ich das ausnutzen.
''Bei Schusswaffen handelt es sich um die einzigen Handwaffen, die eine zierliche Dame auf Augenhöhe mit einem durchtrainierten Straßenräuber bringen, ebenso wie einen alten Rentner mit einem jugendlichen Bandenmitglied, oder einen unbegleiteten Schwulen mit einem Rudel betrunkener baseballschwingender Skinheads. Die Schusswaffe gleicht Unterschiede in körperlicher Kraft, Größe und Anzahl zwischen potentiellen Angreifern und Verteidigern aus.'' Stimmt ebenfalls nur in Teilen; je nachdem wer das Überraschungsmoment auf seiner Seite hat, ist dieser ziemlich im Vorteil (da Duelle wie im Western eher selten auftreten). Sofern sie welche besitzen, sind meistens aber die gewaltbereiteren Personen schneller an der Waffe. Abgesehen davon kommt es schon auf den Besitzer an. Auch wenn bewaffnete Auseinandersetzungen nicht ganz wie bei James Bond ablaufen (Überraschung!) kann es durchaus Unterschiede zwischen einer
arthritischen Oma und einem ehem. Mitglied der Navy Seals geben (also im Sinne der Reaktions und Zielgenauigkeit).
''Dabei handelt es sich um diejenigen, die glauben, es würde gesitteter zugehen, wenn alle Schusswaffen aus der Gesellschaft entfernt würden, weil eine Schusswaffe dem Straßenräuber sein Handwerk erleichtert. Das stimmt natürlich nur, wenn seine potentiellen Opfer überwiegend unbewaffnet sind entweder aufgrund eigener Entscheidung oder durch gesetzliche Anordnung, andernfalls nicht. ''
Es würde friedlicher zugehen, aber Kommunismus wäre auch toll. Beide Ansätze teilen einen netten und richtigen Grundgedanken, der sich nicht umsetzen lässt. Der umgekehrte Schluss ist aber genauso sinnfrei. Wenn ALLE Waffen hätten, würden vielleicht je nach allgemeiner Mentalität nicht zwangsläufig mehr Leute umgebracht werden, aber auch Räuber würden dadurch nicht auf die Idee einer beruflichen Umschulung kommen, sodass die Kriminalität weiterhin existent wäre. Ein (fragiles) Gleichgewicht des Schreckens lässt sich vielleicht bei Atomwaffen erreichen, bei Handfeuerwaffen jedoch eher weniger. Die Räuber sind ja vor allem Räuber, weil ihnen keine andere Möglichkeit offensteht.
''Wenn ich eine Schusswaffe führe, tue ich das nicht, weil ich auf Streit aus bin, sondern darauf in Ruhe gelassen zu werden. ''
Durchaus möglich, aber in diesem Ort zu dieser Zeit werde ich zumindest auch dann in Ruhe gelassen, ohne eine mit mir zu führen.
Ich sehe das als Privileg an, welches in der Menschheitsgeschichte überaus selten ist. Natürlich bleibt ein Restrisiko, aber das Gefühl eines Lebens ohne Waffe, bei dem ich also nicht davon ausgehen muss, dass ich diese einsetzen muss, macht mich zufrieden. Für mich ist allein der Besitz einer Schusswaffe (außer für Jagd und Sport) negativ, weil der Besitz die Möglichkeit einbezieht, diese berechtigt einzusetzen, was die Welt natürlich ein Stückchen dunkler macht. Und wer sich ohne Schießeisen keine zwei Meter aus dem Haus traut, dem rate ich sowieso zu einer psychologischen Beratung aufgrund von Paranoia.

''Die Tatsache, dass Schusswaffen den Einsatz tötlicher Gewalt erleichtern, kommt ausschließlich dem schwachen Verteidiger zu gute – nicht dem starken Angreifer. Sind beide bewaffnet ist das Kräfteverhältnis ausgeglichen. ''
Das gilt nur für einen offenen Schlagabtausch. Bei den guten alten Drive-By Shootings der Mafia bspw. bezweifle ich ernsthaft, was der 'Verteidiger' (bzw. den gibt es ja nicht mal direkt) eigentlich davon hat, selbst wenn er bewaffnet ist. Das gilt natürlich für alle geplanten, heimtückischen bewaffneten Angriffe, wie dem Erstechen durch ein Messer (womit wir wieder beim Thema wären: Andere Waffen sind ungefährlich, bspw. tötet die Mara Salvatrucha gerne ganz traditionell mit großen Macheten).
''Aus diesem Grund zeugt das Führen von Schusswaffen von einer zivilisierten Gesinnung.''
Ähhhhhh. NEIN- tut es nicht. Es kann von zivilisierter Gesinnung zeugen, aber ob die Amokläufer der letzten Jahre deswegen zivil gesinnt waren? Der Satz sollte heißen: Aus diesem Grund kann das Mitführen von Waffen zum Selbstschutz eine sinnvolle Maßnahme gegen kriminelle und willkürliche Gewalt anderer gegen mich sein.
''Ich führe sie nicht, weil ich Angst habe, sondern weil sie mir gestattet, unerschrocken zu reagieren''
Das kann man normalerweise doch auch, bloß wird das viel zu selten getan. Und ich rede nicht von den Situationen, wo man sich vor den Zug werfen muss, um dort einen betrunken Spinner zu retten, sindern von ganz alltäglichen Dingen. Und in den meisten dieser Fälle kann ich mit einer Waffe dann nicht mehr anfangen als Nägel einzuschlagen (falls das jemand brauchen sollte).

''Sie nimmt die Gewalt aus dem Spiel.''
Ja, bei richtiger Anwendung. Das gilt aber auch für ein Leben ohne Waffe.

@Marcello

''Menschen können nur auf zwei Arten miteinander umgehen: mittels Vernunft oder mittels Gewalt.'' Oder durch Schweigen.

"Schweigen" würde ich als "Nicht-Miteinander-Umgehen" einordnen.

Marko Kloos überspitzt vielleicht in einigen Punkten, hat aber wohl im großen ganzen Recht. Die Wenigsten treibt die Sorge um, dass gegen eine Beleidigung unbewaffnete Notwehr nicht ausreicht, wenn sie überhaupt von ihrem Recht auf Notwehr Gebrauch machen wollen. Eine Schusswaffe gleicht das Kräfteverhältnis zwischen Angreifer und Verteidiger vielleicht nur teilweise aus. Aber das Ziel ist ja kein sportlich-fairer Wettkampf, sondern die bestmögliche Verteidigung der Rechtsordnung.

Nehmen wir den Fall von Tom G. Palmer, auf den ich er erst gestoßen bin, nachdem dieser mir auf der ESFL-Konferenz 2014 in Köln geraten hat, die Übersetzungen der Aufsätze von Michael Huemer als Buch herauszubringen statt nur ins Web zu stellen:
https://reason.com/archives/2008/03/19/the-right-kind-of-gun-rights

Nine years ago, one of the first columns I wrote for National Journal told the story of Tom G. Palmer. One night some years ago in San Jose, he found himself confronting a gang of toughs, as many as 20 of them, intent on gay-bashing him. Taunted as a "faggot," threatened with death, Palmer (and a friend) ran for their lives, only to find the gang in hot pursuit. So Palmer stopped, reached into his backpack, and produced a gun. The gang backed off.

Mag sein, dass Schusswaffen nicht in allen Situationen helfen, aber der Selbstverteidungswert von Schusswaffen ist immer noch ganz erheblich.
John Lott zeigt, dass in Bundesstaaten, die verdecktes Tragen erlauben, die Gewaltkriminalität sinkt, und schließt andere Ursachen dafür aus (soweit das statistisch überhaupt möglich ist). Es erscheint mir nicht logisch, warum Räuber nicht auf einen anderen Broterwerb umsatteln sollten: z. B. von Gewaltkriminalität auf Laden- und Taschendiebstahl (oder gar ehrliche Arbeit).

Sie können Ihr eigenes Restrisiko einschätzen, wie Sie wollen. Warum erklären Sie andere für verrückt, die es höher einschätzen bzw. die Kosten, eine Schusswaffe mitzuführen, niedriger? Hätte sich Mr. Palmer in psychologische Beratung begeben sollen?

Warum erscheint Ihnen der Fall, dass "ALLE" Schusswaffen besitzen, relevant? Kriminellen sollte der Waffenbesitz verboten sein. Bei den potentiellen Opfern können 5%, die verdeckt Waffen führen, eine Verbrecherkarriere schon äußerst unattraktiv machen. Gegen heimtückische Angriffe mit Gift oder Briefbomben richten Schusswaffen natürlich nichts aus. Trotzdem ist ihr Nutzen groß.

''Aus diesem Grund zeugt das Führen von Schusswaffen von einer zivilisierten Gesinnung.''
Ähhhhhh. NEIN- tut es nicht. Es kann von zivilisierter Gesinnung zeugen, aber ob die Amokläufer der letzten Jahre deswegen zivil gesinnt waren?

Geschenkt. Offenbar meint Kloos keine Amokläufer sondern rechtschaffene Bürger. Das deutsche Notwehrrecht pflichtet ihm bei: Jemand der Notwehr leistet, verteidigt damit die Rechtsordnung. Und bewaffnet erhöhen sich die Chancen dafür, dass man erfolgreich Notwehr leisten kann.

''Sie nimmt die Gewalt aus dem Spiel.''
Ja, bei richtiger Anwendung. Das gilt aber auch für ein Leben ohne Waffe.

Dann müssen Sie sich aber darauf verlassen, dass andere mit Gewalt und Waffen (sprich die Polizei) rechtzeitig zur Stelle sind. Das Notwehrrecht sagt aber, dass Sie einen rechtswidrigen Angriff sofort unterbinden dürfen und nicht auf das Eintreffen der Polizei warten müssen.

"Schweigen" würde ich als "Nicht-Miteinander-Umgehen" einordnen.
Das kommt darauf an. Das ist ja das Problem mit Schweigen im Allgemeinen, dass es sehr vielschichtig und schwer zu deuten ist. Wenn nur einer nicht redet (weil er es nicht kann oder will), heißt das ja nicht zwangsläufig, dass er ihn ignoriert.
In Bezug auf den Artikel von Herr Palmer (hatte leider noch nicht die Gelegenheit diesen zu lesen) frage ich mich, ob die Gang selbst mit Schusswaffen bewaffnet war und Angst vor einer Schießerei hatte, oder doch etwa keine Schusswaffen besaß (das ein Kampf mit einem Knüppel gegen ein Schießeisen keine gute Idee ist, sollte selbst dem tumbesten Verbrecher einleuchten)?
''Mag sein, dass Schusswaffen nicht in allen Situationen helfen, aber der Selbstverteidungswert von Schusswaffen ist immer noch ganz erheblich.'' Gegen furchtbare Schwiegereltern bspw. eher weniger :P
''Es erscheint mir nicht logisch, warum Räuber nicht auf einen anderen Broterwerb umsatteln sollten: z. B. von Gewaltkriminalität auf Laden- und Taschendiebstahl (oder gar ehrliche Arbeit).'' Glauben sie etwa, sie machen das, weil ihnen langweilig ist in ihrer Wartezeit auf ihren Medizinstudienplatz? Die meisten können doch sonst nichts (ok, Taschendiebstahl wäre vllt. noch mgl.)

''Warum erscheint Ihnen der Fall, dass "ALLE" Schusswaffen besitzen, relevant? Kriminellen sollte der Waffenbesitz verboten sein. ''
Weil das der idealisierte Umkehrschluss davon ist, dass keiner Schusswaffen besitzt. Der zweite Satz erinnert mich an die Miss World Wahlen, bei denen immer solche Sätze fallen wie: ''Ich bin für ein Ende des Welthungers'' oder viele Sätze unserer Politiker. Wenn Kriminelle schon bei strengen Waffenrestriktionen an Waffen kommen, wird das bei einer grundsätzlichen Legalisierung bestimmt besser sein...
Man könnte einwenden, dass gerade dass Waffenverbote so eine Situation forcieren und kann das mit der Prohibitionszeit und dem Verbot von Cannabis vergleichen. Andererseits ist das alles begrenzt aussagekräftig: Die Prohibition hat den Schmuggel nach Alkohol extrem in die Höhe getrieben (nicht umsonst war das die Hochzeit der ''La Cosa Nostra''). Inzwischen ist Alkoholschmuggel fast gar nicht mehr lukrativ, aber dafür ein milliardenschweres gesellschaftliches (aber legales) Gesundheitsproblem. Mit Cannabis ist das ähnlich, bloß das bei einer Legalisierung die Nutzen überwiegen könnten (darüber sollen andere urteilen). Und mit Waffen?
Da liegt die Situation anders: Illegale Waffen sind immer ein lukratives Geschäft, wenn eine Nachfrage vorhanden ist. Der russisch-ukrainische Mobster Mogiljewitsch hat beispielsweise Tonnen von alten Handfeuerwaffen aus der alten UdSSR auch an Banden in die USA geliefert (er hat übrigens auch hochangereichertes Uran zur Hand, nur für den Eigenbedarf natürlich). Dadurch bezweifle ich, dass man Waffen nur nach irgendwelche Kriterien an Nicht-Kriminelle verkaufen kann. Wer Waffen will, bekommt sie, unabhängig von der Waffengesetzen der Länder.

''Bei den potentiellen Opfern können 5%, die verdeckt Waffen führen, eine Verbrecherkarriere schon äußerst unattraktiv machen. Gegen heimtückische Angriffe mit Gift oder Briefbomben richten Schusswaffen natürlich nichts aus. Trotzdem ist ihr Nutzen groß.''
Diese pauschale Aussage würde ich nicht unbedingt unterschreiben. Gegen Gift oder Briefbomben sowieso nicht, aber auch Schusswaffen können heimtückisch gebraucht werden. Ein Beispiel dagegen ist beispielsweise Russland. Bis vor kurzem war in Russland Waffenbesitz grundsätzlich untersagt (im Kommunismus waren Gewaltverbrechen sogar insgesamt qua definitionem nicht möglich), aber dennoch ist die Zahl der illegalen Waffen sehr hoch gewesen, so hoch, dass eigentlich nach ihrer Theorie die Kriminalität bedeutend sinken müsste. Tatsächlich starben pro Kopf sogar mehr als doppelt so viele Menschen pro Kopf wie in den Vereinigten Staaten (und die sind schon weit oben im Ranking) bei solchen Tötungsdelikten. Inzwischen ist das Tragen von Waffen übrigens erlaubt worden, was für viele Leser von RT etc. ein weiterer Beweis für das Demokratiedefizit westlicher Regierungen und Beweis für die Rechstaatlichkeit Russlands ist.

''Warum erklären Sie andere für verrückt, die es höher einschätzen bzw. die Kosten, eine Schusswaffe mitzuführen, niedriger? Hätte sich Mr. Palmer in psychologische Beratung begeben sollen?'' Das kommt auf den Ort an. Ich bin mir nicht sicher, welches San Jose gemeint ist.
Wenn es das in Costa Rica ist- auf jeden Fall nicht. Wenn es das in Amerika ist auch eher weniger. Zwar ist dort die Kriminalitätsrate eher niedriger, aber Kalifornien ist insgesamt mit MS-13, Crips& Bloods usw. eher ungemütlich (insbesondere würde ich von einem Besuch der Stadtteile Compton, Long Beach, Inglewood, South West abraten). Aber wenn man hierzulande ständig eine Waffe braucht, um sich sicher zu fühlen, dann wahrscheinlich ja, denn das bedeutet eine Abhängigkeit. Klar gibt es auch hier Verrückte und Spinnerte genug, aber meistens kommt man auch ganz gut so über die Runden.
''Dann müssen Sie sich aber darauf verlassen, dass andere mit Gewalt und Waffen (sprich die Polizei) rechtzeitig zur Stelle sind. Das Notwehrrecht sagt aber, dass Sie einen rechtswidrigen Angriff sofort unterbinden dürfen und nicht auf das Eintreffen der Polizei warten müssen.'' Ich meine ja nicht, dass man sich im Notfall einfach zu Brei schlagen lassen soll. Mit Gewalt auf jeden Fall, die wendet man ja bespielsweise im Karate (leere Hand) auch ohne Waffe an. Wenn jemand die Möglichkeit hat, so zu reagieren, würde ich das tatsächlich den anderen Möglichkeiten vorziehen (wobei ich eher Kenntnisse aus dem Aikido anwenden würde, weil ich nur das kann).
Schönen hoffentlich friedlichen Montag wünsche ich :)

Kriminellen ist laut Gesetz der Waffenbesitz verboten - und das in allen Ländern. Natürlich halten sich die Gangster nicht dran. Schließlich sind sie Gangster.

Was bewaffnete Gangster und bewaffnete Bürger angeht, gibt es ausführliche Studien u.a. von Gary Kleck, John Lott, usw.:
http://www.usnews.com/news/articles/2013/06/25/study-using-guns-for-defe...

Präsident Obama hatte 2013 eine nationale Studie zu Waffengewalt und Waffengebrauch in Auftrag gegeben. Leider war das Ergebnis nicht für weitere Waffenrechtverschärfungen oder "Anti-Gun-Propaganda" zu gebrauchen, deshalb blieb sie weitgehend unbekannt:
http://iom.nationalacademies.org/Reports/2013/Priorities-for-Research-to...
Schon ein bisschen peinlich, wenn die Waffengegner in einer offiziellen, staatlich finanzierten Studie widerlegt werden.

Wehrt sich der Angegriffene mit einer Schußwaffe gegen Übergriffe und zeigt dabei seine Entschlossenheit, dann lässt die große Mehrzahl der Verbrecher von ihrem Vorhaben ab. Die meisten Räuber und alle Vergewaltiger sind Feiglinge. (Ausnahmen sind einige Mitglieder extrem gewalttätiger Gangs, wie oben erwähnt. Aber die bringen sich eher untereinander in Gangwars um). Es gibt auf Youtube hunderte von Videos aus Überwachungskameras, wo sich Ladenbesitzer mit der Schußwaffe gegen bewaffnete Raubüberfälle wehren. Kein einziger Fall, wo die Räuber ein echtes Feuergefecht liefern. Alle rennen wie die Hasen. Ja - manche schießen auch. Vor allem um ihren Rückzug zu decken. Aber - nur in ca. 2% der Überfälle muß der Angegriffene auch tatsächlich schießen.

Was Kampfsport angeht: Was hilft einer 50kg-Frau ihr Karate oder Aikido gegen 3-4 kräftige Kerle mit 90 kg? Mit einem wird sie vielleicht fertig. Um Aikido effektiv anzuwenden, muß man das schon einige Jahre machen und ständig trainieren. Die Schußwaffe dagegen braucht bei weitem nicht so viel Training und ist schon beim drohen ausgesprochen effektiv. Es gibt Hunderte von Berichten die belegen, daß Angreifer (auch mit Schußwaffen bewaffnete) von ihrem Vorhaben abließen, weil das Opfer Anstalten machte, sich ebenfalls mit einer Schußwaffe zu wehren.

Gleiches gilt übrigens auch für einen normalen Mann. Ich habe selbst Erfahrung im Kampfsport, aber das ist Sport - kein Straßenkampf. Gegen rücksichtslose, gewaltbereite Gegner habe ich als zwar trainierter aber ausgesprochen friedfertiger Mensch keine große Chance. Ich trete auch nicht gerne unbewaffnet gegen jemanden mit einem Messer an - auch da habe ich schon entsprechende, unangenehme Erfahrungen gemacht. Im Dojo funktionieren die Techniken - auch gegen Messer und mehrere Gegner - prächtig. In der Realität sieht das völlig anders aus.

Eine Schußwaffe hat einen ganz anderen psychologischen Effekt auf den Gegner. Das liegt zum Teil an der unrealistischen Überhöhung und Mystifizierung in populären Medien (z.B. Action-Filmen), aber auch daran, daß sie offiziell eben kein Alltagsgegenstand ist. Kaum jemand kennt sich damit aus oder hat persönliche Erfahrungen damit. Ist immer wieder nett den Aha-Effekt zu beobachten, wenn ich Anfänger auf dem Schießstand habe, was die einzige Methode ist um den Leuten die blödsinnigen Bilder aus Hollywood-Filmen - wenigstens teilweise - aus dem Kopf zu vertreiben.

Noch ein psychologischer Fakt: Wer eine Waffe trägt bewegt sich anders. Auch wenn eine Waffe ein trügerisches Selbstbewusstsein erzeugen kann, so verändert sie doch das Verhalten. Räuber haben ein feines Gespür dafür, was ein Opfer und was ein Gegner ist. Sie suchen sich gezielt Opfer aus.

Noch ein Wort zu Pfefferspray oder Reizgas und andere, nichttödliche, Verteidigungsmittel. Erfahrungsgemäß wirkt das Zeug bei Leuten auf Adrenalin, Alkohol oder Drogen mäßig bis gar nicht. Und es braucht etwas Zeit um zu wirken. Das ist die Zeit, die der Verbrecher hat um noch mal kurz die Sau rauszulassen. Das sind zwischen ca. 5 und 15 Sekunden. Polizisten können ein Lied davon singen ...

Will ich jeden Tag 1 kg Eisen an der Hüfte mitschleppen, für den Fall der Fälle, der wahrscheinlich nie eintritt? Sicher nicht - aber ich möchte das, als rechtstreuer und unbescholtener Bürger dürfen, wenn ich es für nötig halte. "Besser ein Waffe zu haben und sie nie zu brauchen, als eine zu brauchen und sie nicht zu haben."

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