Kommenden Generationen droht arbeitsfreier Freitag

Warum lernen ohne Zukunft?

Die streikenden Schüler um Greta Thunberg behaupten, „unser Haus“ stehe in Flammen und ihre Generation hätte ohne drastische Maßnahmen keine Zukunft. Der wissenschaftliche Konsens widerspricht dem:

Judith Curry sagte im Februar bei einer Anhörung im US-Kongress: „Jedes einzelne Katastophenszenario, auf das der Fünfte Sachstandsbericht des Weltklimarats (Arbeitsgruppe II, Tabelle 12.4) eingeht, wird als sehr unwahrscheinlich, äußerst unwahrscheinlich oder wenig belastbar eingestuft. Der einzige Kipppunkt, den der Weltklimarat im 21. Jahrhundert für wahrscheinlich hält, ist das Verschwinden des Meereises im arktischen Sommer (welches ziemlich umkehrbar ist, nachdem es jeden Winter wieder zufriert).“
Und der Journalist Matt Ridley verweist darauf, dass der Klimawandel selbst für den Weltklimarat ein wirtschaftlich unbedeutendes Problem ist, und zitiert dazu aus dem Fünften Sachstandsbericht (Arbeitsgruppe II, Einleitung des Executive-Summary zu Kapitel 10, S. 662): „Die Auswirkung des Klimawandels auf die meisten Wirtschaftszweige wird klein sein im Verhältnis zu denen anderer Einflüsse (mittelprächtige Belege, starke Einigkeit). Veränderungen von Bevölkerung, Alter, Einkommen, Technik, relativen Preisen, Regulierung, Herrschaftsstruktur und vielen anderen Aspekten der sozial-ökonomischen Entwicklung werden Angebot und Nachfrage von Wirtschaftsgütern stark beeinflussen im Verhältnis zum Klimawandel.“
Konkret geht der Fünfte Sachstandsbericht von Kosten in Höhe von 0,2-2 % des Bruttosozialprodukts im Jahre 2070 aus, wenn wir nichts gegen den Klimawandel unternehmen, was – wie Bjørn Lomborg kommentiert – der Wirkung einer Rezession entspricht. (Bis 2100 lautet die Schätzung 2-4 % des Bruttosozialprodukts.)

Lomborg verweist im selben Artikel darauf, dass das 1,5°C-Ziel eine rein politische Vorgabe für den entsprechenden Bericht des Weltklimarates war, welcher dann zu dem Schluss komme, das dieses nahezu unerreichbar sei und einen völligen Umbau der Wirtschaft in den nächsten zwölf Jahren erforderte. Es ist also keineswegs so, dass uns nur noch zwölf Jahre Zeit blieben, um die Welt zu retten, wie dies Klimaaktivisten in den Bericht hineinlesen. Es bleibt Zeit für Forschung und Entwicklung, ein vom Kopenhagener Konsens getragener Ansatz.
Auch der frisch gekürte Nobelpreisträger William Nordhaus stützt das 1,5°C-Ziel nicht. Er kam 2016 zu dem Schluss, dass es den Wohlstand maximiert, wenn man die Erderwärmung bis 2100 lediglich von 4°C auf 3,5°C begrenzt. Dabei setzt er allerdings voraus, dass mit einer weltweit einheitlichen CO2-Steuer der sparsamste Weg zum Klimaziel beschritten wird. Danach sieht es momentan nicht aus: Über 80 % des weltweiten CO2-Ausstoßes tragen kein nennenswertes Preisschild. Die USA haben ihren Ausstieg aus Paris angekündigt. Sanktionen bei Verstößen sind ohnehin nicht vorgesehen. Gegen China und Indien hätte man auch kaum ein Druckmittel, weil diese Länder selber reich an Kohle sind. Druck von unten scheint auch nicht realistisch, wenn Amerikaner lediglich 200 $ im Jahr für den Klimaschutz ausgeben wollen und Chinesen 30 $.

Nordhaus' Modell ist natürlich nicht das Einzige. Burke et. al. (2018) stützen das 1,5°C-Ziel und gehen von ungewöhnlich hohen Schäden aus, wenn wir nichts unternehmen. Demnach würden wir 2100 bis zu 40 % des Bruttosozialprodukts einbüßen gegenüber einer fiktiven Welt, in welcher der Klimawandel weggezaubert ist. Allerdings verdoppelt sich das Bruttosozialprodukt bis dahin trotzdem, weil sich der fiktive Wohlstand zunächst mehr als verdreifacht, dadurch das die Autoren von mindestens 1,5 % Wachstum pro Jahr ausgehen. Auch wenn sich das Bruttosozialprodukt dann auf 11 Milliarden Menschen verteilt, könnte man die Viertagewoche einführen, und die Menschen würden immer noch so gut leben wie heute. Kommenden Generationen droht also der arbeitsfreie Freitag bei vollem Lohnausgleich.

Natürlich sind das nur wenig belastbare Modelle, und katastrophale Szenarien lassen sich nicht ausschließen. Der Klimawandel droht allenfalls begrenzte Gebiete zu verwüsten, so dass Curry zufolge das Vorsorgeprinzip nicht angebracht ist, also das Klima nicht um jeden Preis geschützt werden muss. Auch im Rahmen einer normalen Risikovorsorge sprechen denkbare Katastrophen nicht unbedingt für Klimaschutz. In einem aktuellen Interview im City-Journal weist sie darauf hin, dass auch ein nicht vorhersagbarer Vulkanausbruch in der Antarktis große Eismengen abschmelzen könnte. Anpassungsmaßnahmen wie in diesem Fall höhere Deiche wären daher auch dann noch eine nützliche Investition, wenn sich herausstellen sollte, dass das Klima sich bei einer CO2-Verdoppelung nur wenig erwärmt. Schlimme Unwetter gab es auch schon bevor die Menschheit nennenswert CO2 ausgestoßen hat, so dass Vorsorge dagegen auf jeden Fall ein Nutzen gegenübersteht. Anpassungsmaßnahmen erfordern auch keine weltweite Koordination, die obendrein auch noch über viele Jahrzehnte aufrecht erhalten werden müsste.

Bei Fridays-For-Future finde ich erschreckend, wie bereitwillig sich junge Menschen staatlicher Planung unterwerfen, solange es nur der angeblich richtige Plan ist. Dabei steht die Staatsgewalt oft dem menschlichen Fortschritt im Wege, sei es beim abgeschotteten Arbeitsmarkt oder beim Entwickeln neuer Kraftwerke. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts hatte auch niemand einen Plan, wo das Brot herkommen soll, wenn uns der Chilesalpeter ausgeht. Hätte man diesen Stickstoffdünger schon vorbeugend rationiert, wären die Herren Haber und Bosch vielleicht gar nicht auf die Welt gekommen oder hätten sich ihre wissenschaftliche Laufbahn nicht leisten können oder kein gut ausgestattetes Labor. Jede Generation seit der Industrialisierung muss den Aufbruch ins Ungewisse wagen und auf den menschlichen Erfindungsgeist vertrauen. Es gibt auf der Welt keine Übervölkerung, sondern mehr kluge Köpfe als je zuvor.

Kommentare

Roger Pielke Jr. hat den Konsens des IPCC zum Extremwetter entscheidend mitgeprägt. Doch die Klimaaktivisten leben inzwischen in ihrer eigenen Welt, und halten ihn für einen Außenseiter, wenn nicht sogar Leugner:
https://twitter.com/RogerPielkeJr/status/1137806976602083328

Reiner Eichenberger und David Stadelmann besprechen einen offiziellen US-Klimabericht:

„Noch kleiner wirken die Schäden, wenn sie mit dem Wachstum verglichen werden: Schäden um 2100 von 5 Prozent der Wirtschaftsleistung wirken gleich, wie wenn die jährliche Wachstumsrate ab jetzt bis 2100 um etwa 0,06 Prozentpunkte sänke.“

http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=25109