Vorsicht Lobby!

Waffengegner zeichnen gerne das Bild einer angeblich mächtigen Waffenlobby. Beim Lesen von Sonja Dolinseks Kritik an der Kampagne zur (erneuten) Kriminalisierung der Prostitution fiel mir auf, dass letztere ganz ähnlich gestrickt ist. (Gegen die Binnen-I-s auf menschenhandelheute.net hilft eine Browsererweiterung). Prostituierte, die sich gegen weitere Verbote einsetzen, werden nämlich mit dem Lobbyvorwurf diffamiert:

[D]er Begriff der Zuhälterlobby ist eigentlich nur eine clever eingesetzte Schmierkampagne gegen die legitimen Interessen von Sexarbeiterinnen. Und von Betroffenen von Menschenhandel.

Der Durchschnittsleser von solcher Verbotspropaganda darf sich überlegen fühlen. Die Freisinnige Zeitung beschreibt dies unter dem treffenden Titel „Deutschland belehrt die amerikanischen Waffennarren“. Für die Prostitutionsgegner scheint ähnliches zu gelten:

Aber wie ich feststellen musste, ist die Geschichte der absolut willenlosen Migrantin, die zur Prostitution gezwungen wird und unbedingt das Engagement der privilegierten deutschen Frau aus der Mittel- und Oberschicht braucht, um endlich „frei“ zu sein, sehr mächtig.
Dass wir in der Wissenschaft von Strategien des „Othering“ sprechen, wonach die Migrantin in der Sexarbeit u. a. deshalb als „die Andere“ stilisiert wird, weil dadurch die eigene Identität als weiße, westliche Frau mit Handlungsmacht hergestellt und gefestigt werden kann, interessiert die EMMA-Leser nicht.

Soweit die Parallelen zum Waffenrecht. Die Kriminalisierung von Prostitution hat außerdem ähnliche Nebenwirkungen wie diejenige von Drogen:

Eine Entkriminalisierung der Sexarbeit würde daher eher Licht ins Dunkel bringen und Frauen ermöglichen endlich ohne Schutz und Erpressung durch organisierte Kriminalität zu arbeiten.
Ein prohibitionistisches Modell, in dem täglich hunderte von Frauen wegen Prostitution verhaftet werden und in dem wiederum andere hunderte von Frauen sich von korrupten Polizisten vergewaltigen lassen müssen, weil sie damit einer Strafanzeige entkommen können, scheint Prostitutionsgegnerinnen lieber zu sein, als Legalität.

In den USA haben libertäre Medien offensichtlich weniger Berührungsängste mit Schmuddelthemen. Auf Reason.com stellt die Autorin gleich das Verbot von Jugendprostitution und von Zuhälterei in Frage.

Bild gemeinfrei

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