Sabotage von Windkraftanlagen

Brandanschlag auf eine Windkraftanlage

Scheitert ein massiver Ausbau erneuerbarer Energien daran, dass man die Anlagen in der Fläche nicht gegen Sabotage schützen kann? Der Sicherheitsexperte Bruce Schneier schreibt in „Beyond Fear“ (2003, S. 96): „Take a class break, automate it, and propagate the break for free, and you've got a recipe for a security desaster.“

Ein Class-Break liegt vor, wenn eine Angriffsmethode gegen tausende, anfällige Ziele funktioniert. Windkraftanlagen sehen alle mehr oder weniger gleich aus und ihre Türme heben sich gegen den Himmel ab. Man kann daher Angriffe leicht automatisieren. Eine Drohne braucht wahrscheinlich nicht einmal künstliche Intelligenz, um einen Turm zu erkennen. Es bedarf also keiner Funkverbindung oder Satellitennavigation – beides Dinge, die eine Drohnenabwehr stören kann. Abwehrsysteme müssten eine Drohne, welche sich über die normalen Zufahrtswege (etwa als blinder Passagier) nähert und dicht am Turm aufsteigt, erstmal erkennen. Zeitgleich würde ein Angreifer natürlich Feuerwerksraketen steigen lassen, die in Alufolie eingewickelt sind, um Infrarot- und Radarortung zu täuschen. Wenn die Sensoren der Drohne mit Scheuklappen auf den Turm ausgerichtet sind, dürfte es auch schwer sein, diese mit Mikrowellenstrahlung zu bekämpfen.

(Im Rahmen von Jugend-Forscht könnte man all das im kleinen Maßstab entwickeln und an der nächsten Laterne ausprobieren. Und es hätte womöglich eine große, politische Wirkung. „Mach', was wirklich zählt!“, kann ungeheuer motivieren.)

Als Brandsatz für die Gondel der Windkraftanlage eignet sich Thermit, dessen Ausgangsstoffe nicht reguliert sind.

Ein abgebrannter Windpark entlang einer Autobahn lässt sich in den Medien sicher nicht totschweigen und dürfte Investoren und Klimaaktivisten schwer beeindrucken. Wenn der zuständige Minister Peter Altmaier von „Kathedralen der Energiewende“ spricht, wäre das Shock-and-Awe-Erlebnis vielleicht vergleichbar mit der Fällung der Donareiche durch Bonifatius.

Ein Weiterso beim Ausbau der Erneuerbaren wäre anschließend schwer vorstellbar. Besonders dann, wenn Baupläne und Programme kursieren, welche Nachahmern ihr Handwerk erleichtern.

Sabotage mit umgekehrter Zielrichtung wird ja weiterhin propagiert (Andreas Malm, „Wie man eine Pipeline in die Luft jagt – Kämpfen lernen in einer Welt in Flammen“, 2020) und hat bereits funktioniert (das „Schottern“ der Anti-AKW-Bewegung, illegale Besetzungen). Zivilgesellschaftlicher Widerstand gegen die Energiewende formiert sich offenbar gerade. Aber auch reiner Eigennutz wäre ein Motiv, etwa den Wertverlust von Grundstücken durch Windkraftanlagen zu vermeiden.

Grund genug, eine kleine Anfrage an die Regierung vorzubereiten, wie Sie denn den Bau und Betrieb neuer Windräder und Solaranlagen sichern will. Andere Infrastruktur muss natürlich vorrangig gesichert werden, weil Wind- und Solarkraft in einer Dunkelflaute ohnehin ausfallen.

Anregungen nehme ich gerne via TOX entgegen: 9F1ED2EC46744F2EBDB2354A3E5F805850FA2DCD00BDB394A1549D4A53C24543EE97841EFC5F

P. S.: Bild und Text stehen unter einer freien Lizenz. Bitte, weiterverbreiten!

Kommentare

Jörg Baberowsky schreibt (2015 bei S. Fischer, S. 27f): „Ein Argument kann ignoriert werden, ein Schlag ins Gesicht nicht.“

Und er zitiert den Soziologen Trutz von Thotha („Koloniale Herrschaft“, Tübingen 1994, S. 39): „Überlegene Gewalt überzeugt, weil es gar keine Fragen mehr gibt.“

KenFM interviewt den Autor zu seinem Buch.

Der Angreifer könnte sich versprechen, dass die Regierung sich mit dem Referenzpfad in der Studie Klimapfade für Deutschland zufrieden gibt. (Der Artikel 20a Grundgesetz kann dazu entweder wieder abgeschafft werden, oder die Regierung kann sich darauf berufen, dass die Vorgaben des Verfassungsgerichts undurchführbar sind.)

Dadurch fiele eine Belastung von 1,2 bis 1,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts weg. Geht der Angreifer von 1,8% aus, ergibt sich über 30 Jahre, dass die Volkswirtschaft insgesamt gut ein halbes Jahr Arbeit in die verstärkten Anstrengungen stecken würde.

Ein tatgeneigter, durchschnittlicher Angreifer wird daher bis zu einem halben Jahr arbeiten, um Material zu kaufen und zu basteln.

Kohle- und Atomkraftgegnern gelingen offenbar keine zielgerichteten Anschläge. Ungezielter Vandalismus zum Schaden von Unbeteiligten vergrault eher politische Sympathisanten.

Kaputte Windräder und Solarzellen würden dagegen zu keinem Stromausfall führen – auch nicht bei den Kunden, die auf dem Papier 100% Ökostrom beziehen.

Die Génération-Identitaire kopiert offenbar Aktionen nach dem Muster von Green-Peace. Selbst das Logo ähnelt dem von Extinction-Rebellion. Ebensowenig ist die Demonstrationstaktik Schwarzer-Block Linken vorbehalten.

Es wäre daher eher überraschend, wenn Anschläge gegen die Energiewende ausblieben. Vor allem weil diese aus dem Schutz der Anonymität heraus begangen werden können und handfeste Interessen auf dem Spiel stehen.

Statt erfolglosem Lobbyismus werden interessierte Kreise eher verdeckt Anschläge finanzieren. Kann die Schwerindustrie dieser Versuchung widerstehen? Anscheinend lässt man ihr ja nicht mal die Zeit, ihre Zelte erst dann abzubrechen, wenn ihre Investitionen abgeschrieben sind.

Die Ungewissheit über die Spielregeln (neudeutsch: Regime-Uncertainty) und die Zerstörung von rentablen Anlagen (so geschehen bei der Kernkraft) bedeuten aber letztlich Armut für alle.

Vielleicht muss Volkswagen aus Image-Gründen handzahm auf den Diebstahl der Autoschlüssel reagieren.

Wenn der Austausch der Schlüssel aber in der Größenordnung eine Million Euro kostet, warum finanzieren VW und die anderen betroffenen Autobauer nicht verdeckt Angriffe auf die Energiewende? Nicht nur die Windkraft ist anfällig. (Für 20.000€ lässt sich da sicher ein sehr schwer abzuwehrender Angriffsplan entwickeln.) Auch die Wasserstoffwirtschaft lässt sich durch „Unfälle“ und gestellten Missbrauch für Sprengstoffattentate leicht diskreditieren (aus angeblich ganz anderen politischen Motiven). Hat die Industrie keine etwa keine schwarzen Kassen zur Finanzierung verdeckter Aktionen? An autobegeisterten Experten mit „Benzin im Blut“ kann es sicher nicht mangeln.

Die VW-Korruptionsaffäre hat gezeigt, dass auch in der zivilen Wirtschaft nicht alles mit rechten Dingen zugehen muss und es dort durchaus Verschwörungspraktiker gibt.

Umgehrt schützt auch gesetzkonformes Verhalten nicht vor Boykotten, wie die Brent-Spar-Kampagne zeigt. Im Unterschied zur geplanten Versenkung der Brent-Spar wäre bei Sabotageaktionen gegen die Energiewende aber kaum ermittelbar, wer für sie verantwortlich ist und wer nur unfreiwilliger Nutznießer ist.

Auszüge aus einigen Rezensionen. Der Deuschlandfunk schreibt:

Als die Suffragetten im Jahr 1913 Brandanschläge verübten, um im Kampf für das Frauenstimmrecht den Druck zu erhöhen, waren sie darauf bedacht, dass keine Menschen zu Schaden kamen. Dies müsste auch für die Radikalisierung der Klimabewegung gelten.

Andreas Malm schlägt eine Arbeitsteilung vor: Die Gemäßigten gehen an die Verhandlungstische, während die Radikalen Sabotageakte auf fossile Brennstoff-Infrastruktur verüben und beispielsweise Pipelines sprengen.

Der Bayrische Rundfunk schreibt:

Doch Malm ist kein Revolutionsromantiker, der davon träumen würde, den Klimakrieg auf die Straßen zu tragen. Es geht ihm um eine genaue und begründete Diskussion von Widerstandsformen. Was mit "Gewalt" gemeint ist, zeigt er an den britischen Suffragetten. Nachdem sie mit geduldigem Druck auf das Parlament dem Frauenwahlrecht nicht nähergekommen waren, lautete ab 1903 das Motto: "Taten statt Worte". Aktivistinnen zerschlugen Fensterscheiben und verübten Brandanschläge auf Briefkästen, Villen, Theater oder Aquädukte. Dabei waren sie stets sorgfältig darauf bedacht, keine Menschen zu verletzen.

Links-Lesen schreibt:

Die Besonderheit, dass die Klimabewegung die erste soziale emanzipatorische Bewegung ist, die von den allermeisten Politikern und Medien wenn nicht ausdrücklich für ihr Engagement gelobt, dann doch zumindest nur von den wenigsten frontal angegriffen wird, ist für Malm nicht erwähnenswert.

In anderem Zusammenhang kommentiert der Cicero den Versuch, Eliten als Underdogs zu präsentieren:

Beim Parteitag der Grünen hat die Autorin Carolin Emcke als Gastpredigerin eine direkte Verbindung vom Antisemitismus zu jeder Art von Elitenkritik gezogen. Damit hat sie sich selbst und ihrem politischen Milieu den Opferstatus zugesprochen. Das Ziel: die Grünen unkritisierbar zu machen.

Carlos A. Gebauer zeigt, dass das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts die bisher geltenden Schranken der Staatsgewalt aushebelt.

Das Gewaltpotential ist bereits bemerkenswert hoch. Die Süddeutsche schreibt: „Morddrohungen, Sprengsätze, Schüsse aus einem Paintball-Gewehr - Aktivisten gegen den Ausbau der Autobahn 14 sind mehrfach gewaltsam attackiert worden.“

Vandalismus gegen grüne Gentechnik war ein europaweites Phänomen und wurde teils sogar öffentlich gebilligt. Matt Ridley schreibt („How Innovation Works“, 2020, S. 329f):

The industry had by then all but abandoned attempts to grow trial crops, as each one attracted vandals in white boiler suits, some of them members of the House of Lords. A few years later the biotech industry effectively abandoned Europe altogether, and any attempt to genetically modify its main crops such as wheat.
[…]
Mark Lynas […] remembers the heady days when juries refused to convict GM crop vandals arrested by the police and judges declared their admiration for the vandals; […].
It was not just in Britain. In France the activist-farmer José Bové destroyed rice crops and became a hero, while arsonists in Italy burned down a seed depot.

https://stopthesethings.com/about/

„We're not here to debate the wind industry, we're here to DESTROY it“, klingt schon mal nach einer klaren Ansage. An anderer Stelle werden Saboteure als „Community-Defenders“ gefeiert.

Bei den Sabotageakten, von denen berichtet wird, geht es aber anscheinend stets um Einzelaktionen vor Ort. Ein einzelnes Projekt soll gestoppt werden, statt Investoren generell von der Windkraft abzuschrecken. Dabei liegt es nahe, eine Ware von der Stange auch mit einem Angriff von der Stange zu sabotieren (der oben erwähnte Class-Break).

Über NDR-Info als Stichwortgeber wundert sich die Kalte-Sonne:

Selbst als [Franziska Heinrich] von Aktionen auch jenseits der Legalität schwärmte, griff Gonsch nicht ein und stellte wenigstens eine einzige kritische Frage. Verletzte Polizisten, Sachbeschädigungen, Hausfriedensbruch – das ist offenbar alles keiner Nachfrage wert.

Andreas Malm plädiert für Widerstand zur Rettung des Klimas. Nicht jeder teilt aber seine Prämisse, dass ein Klimanotstand vorliegt. Interessant fand ich beim Lesen eher die geschichtlichen Fälle von militantem Widerstand, die politisch erfolgreich waren.

Zur Ethik des Widerstands allgemein empfehle ich eher: „When All Else Fails: The Ethics of Resistance to State Injustice“ von Jason Brennan (2019)

Muss ich überhaupt etwas dazu schreiben, wenn die Sonne selbst in Spanien auf keinen grünen Zweig hilft?