Elektro-Roadmovie

Unbestätigten Gerüchten zufolge arbeitet Netflix gerade an einem Elektro-Roadmovie. Durch die häufigen und langen Ladestopps lässt sich die Geschichte nicht in Spielfilmlänge erzählen, sondern zieht sich wie ein Kaugummi über drei Staffeln hin. So fegen die beiden Helden fast eine ganze Folge lang Schnee vom Solardach eines texanischen Bauernhofs, an dem sie ohne Heizung schon ganz durchgefroren angekommen sind, um nicht zuvor mit leerem Akku liegen zu bleiben. Der sprechende Bordcomputer K.I.T.T. (Klima-intelligenter Techniktratsch) redet beruhigend auf sie ein und versichert, dass die Kältewelle mit dem Klimawandel zusammenhänge. Der Bauer bietet Dieselstrom aus seinem Generator an, den sie selbstverständlich stolz ablehnen.

Die beiden müssen einen Wissenschaftler vor der Öl- und Gas-Mafia in Sicherheit bringen, dem ein Durchbruch bei den Stromspeichern gelungen ist. Mit seiner FlowTex-Technologie lasse sich der überschüssige Solarstrom aus dem Sommer im Winter nutzen. Erst gegen Ende der dritten Staffel wird klar, dass unsere Helden auf einen Hochstapler hereingefallen sind.

Jedenfalls bekommt der Bauer Mitleid und schließt das Auto über Nacht doch an den Dieselgenerator an. Unsere Helden bemerken den Betrug und machen sich daher, ohne zu zahlen, in der Früh aus dem Staub – oder vielmehr aus dem Pulverschnee.

Ab Mitte der zweiten Staffel kommt mehr Tempo auf, weil die beiden dazu übergehen, in Windrichtung zu fahren und dabei ein Segel setzen. Manchmal nutzen sie auch die Wasserkraft, indem sie sich auf einem Floß stromabwärts treiben lassen. So den Launen der Natur ausgeliefert, kommen sie am Ende dort an, wo sie aufgebrochen waren. Hier hat Janosch („Oh, wie schön ist Panama“) einen Gastauftritt und zwinkert den beiden zu.

Hoffentlich bekommt er jetzt keinen Ärger, denn eigentlich hätte er mir die Netflix-Sache gar nicht anvertrauen dürfen.